Sammelleidenschaft: NSA sammelt 200 Millionen SMS pro Tag

Der Londoner Guardian berichtet, dass sich die NSA täglich bis zu 200 Millionen SMS-Nachrichten pro Tag beschafft. Dies gehe aus Dokumenten des britischen NSA-Partnerdienstes GCHQ hervor. Das Späh-Programm „Dishfire“ sammele seit 2011 alles was es kriegen kann.

Wie geht das? Wo kommen die SMS  her?

Eine SMS nimmt, vom Handy abgeschickt, zunächst einmal die gleiche Strecke wie ein Telefonat. Über die von der Telefonie bekannten Netzelemente wie Sendemast und Base-Station-Controler (BSC, ugs. Basistation) wird eine SMS an das SMS-C des eigenen Netzbetreibers geleitet. Das SMS-C des eigenen Netzbetreibers ist auch dann für den Kunden zuständig, wenn dieser sich im Ausland aufhält. Unterm Strich ist nur der Weg über die ausländischen Netze bis zum SMS-C länger. So funktioniert der SMS-Versand und -Empfang bei einem Mobilfunknetz (teletarif.de)

Die NSA müsste also die nationalen Telefonnetze anzapfen, um an die einzelnen SMS der Bürger außerhalb der USA zu gelangen. Nach unseren Informationen beschafft sich die NSA die gewünschten Informationen, indem sie die Kurznachrichten über Adressbücher von Mobilfunkkunden, Reiseplänen, Finanztransaktionen, SMS über entgangene Anrufe, Roaming-Benachrichtigungen und Geodaten  speichert. Diese SMS bzw. Text- und Adressinhalte wählen vermutlich ausschließlich den Weg über das Internet (von Rechenzentrum zu Rechenzentrum) und nicht über das sicherere Mobilfunknetz oder das drahtgebundene Telefonnetz.

Über diese Daten ist es der NSA möglich, Verknüpfungen von Personen, deren Aufenthaltsorte, Grenzübertritte und vieles mehr festzustellen. Es geht weniger um den Inhalt der SMS.

Was bedeutet das?

Eine SMS ist vergleichbar mit einer Postkarte. Sie wird vom SMS-Versender mit einem Text, der Nachricht versehen und an den Adressaten, jemanden mit einem Mobiltelefon, verschickt. Die Transport übernehmen ein oder mehrere Mobilfunkprovider. Diese transportieren die SMS im Regelfall über ihre Netze.

Beschafft sich ein Fremder die Postkarte (oder eben eine SMS)  und fertigt eine Kopie von ihr an, ist das strafbar und somit verboten. Es handelt sich in diesem Fall um eine Tat gegen die Persönlichkeitsrechte und einen klaren Verstoß gegen das Datenschutzgesetz, zumindest aus deutscher Sicht. Beeinflusst durch die illegale Speicherung der SMS unverdächtiger Menschen werden deren Freiheitsrechte: die Freiheit zu kommunizieren, die Meinungsfreiheit, die Freiheit (frei von staatlicher Kontrolle) der Privatsphäre.

Eine Sonderform der SMS ist die von Apple angebotene iMessage. Diese wird ausschließlich über das Internet und Apples Rechner in den USA abgewickelt. Es ist davon auszugehen, das iMessages zu 100% von der NSA abgesaugt werden.

Eine  versehentlich gelöschte SMS könnte man sich -theoretisch- vielleicht von der NSA wiederherstellen lassen. Wir raten jedoch ausdrücklich davon ab.

 

 

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Fehlentwicklungen im Internet

Im Internet ist es in den letzten 15  Jahren zu gesellschaftlichen und strukturellen    Fehlentwicklungen gekommen ist. Diese Fehlentwicklungen lassen sich grob in drei Kategorien Einteilen:

a) Intensivste Nutzung von personalized data monitoring  (dem Beobachten und Auswerten personenbezogener oder personalisierbarer Daten)  unter Ausnutzung des jeweils günstigsten politischen  Gemeinwesens im wirklichen Leben außerhalb des Internet.

b) es hat sich das Prinzip: alles wird für immer gespeichert  entwickelt. Massenspeicher ist in den letzten 20 Jahren  kontinuierlich billiger geworden. Der Besitz an Daten stellt    mittlerweile einen Wert an sich dar. Das Prinzip der „ewigen  Sammlung“ bezieht sich auf nahezu alle Daten, die dem jeweiligen Suchmaschinenanbieter, social media network (gesellschaftlichen Netzwerken) usw. überantwortet werden. Teilweise sind mittlerweile die  Rechtsbeziehungen zwischen Nutzer und Anbieter so angelegt,  dass der User (der Mensch, der das Internet irgendwie benutzt) sein Eigentum an Dateien (zB Bildern) aufgibt   und dem Hoster (die Firma, die die Daten im Internet speichert) übergibt, wenn er Daten bei diesem    speichert.

c) Die einst flache Struktur des Internet -gerade auch im WWW (World Wide Web – weltweites Netz)- ist einer eindimensionalen, hierarchischen Struktur gewichen. Wenige Anbieter generieren nicht nur den meisten Traffic (Datenverkehr  im Internet), sie nehmen insbesondere durch Marketingwerkzeuge mehr und mehr Einfluss auf die Inhalte im Netz.

Kurzum: es wäre nicht völlig verkehrt wenn man sagt: das Internet gehört mehr und mehr wenigen großen Firmen und wird in seiner Struktur von wenigen Staaten „regiert“.

Charta der Kommunikation im Internet

Veröffentlichung/Aufruf für mehr Demokratie, Freiheit und Privatheit aufgrund der Entwicklungen des und im Internet

Charta der Kommunikation im Internet
(Blaupause von Stefan Wetzel, wegecon, 2012)

  1.  Das Netz ist integraler Bestandteil der Menschenrechte,    die Resolution 217 A (III) der UN-Generalversammlung    vom 10. Dezember 1948, Allgemeine Erklärung der    Menschenrechte, bleibt von der Charta der    Kommunikation im Internet unberührt.
  2. Das Netz und der freie Zugang zum Netz gehört zu    den unveräußerlichen Freiheitsrechten aller Menschen.
  3. Das Netz ist neutral und basiert auf den Prinzipien der    Gleichheit, der Heterachie und der Unteilbarkeit.
  4. Jeder Mensch hat das Recht, im Netz seine Meinung    frei zu äußern, ohne staatliche Repressalien fürchten    zu müssen.
  5. Jeder Mensch hat das Recht, auf Inhalte zu verweisen    die nicht sein eigen sind, ohne staatliche Repressalien    fürchten zu müssen.
  6. Jeder Mensch hat das Recht, Inhalte mit anderen    Menschen zu teilen, ohne staatliche Repressalien    fürchten zu müssen.
  7. Jeder Mensch hat das Recht, im Netz wirtschaftlich,    sozial und kulturell zu agieren.
  8. Die im Netz kommunizierenden Menschen haben ein    Recht auf Informationelle Selbstbestimmung.