predictive policing – eine Gefahr für die Freiheit? (Teil 2)

predictive policing heißt so viel wie „vorbeugende Überwachung“. Behörden wollen sich in die Lage versetzen, den Verbrechensort vor der Tat zu erkennen und den Verbrechern so zuvorkommen – mit Hilfe von Daten,  Technik und Algorithmen.

„Jeden Tag produzieren wir 2,5 Trillionen Bytes an Daten. Nutzen Sie die Chancen von Big Data“, warb IBM mit einer Banner-Kampagne für sein Webanalyseprodukt. Mithilfe von Big Data lasse sich die Relevanz von Online-Marketingmaßnahmen erhöhen, und Werbebudgets effizienter einsetzen da man das Kundenverhalten voraussagen könne. Wisse man vorher, wie sich Kunden orientieren, könne man dieser besser bedienen, besser im Sinne den eignen Produktes beeinflussen. Doch gilt ähnliches für predictive policing? Welche Daten bräuchte man?

Daten, die der Staat speichert, erhält dieser oftmals aufgrund eines Gesetzes, das heißt, der Bürger kann sich der Herausgabe der Daten und deren Speicherung nicht entziehen. Unter anderem aus diesem Grund dürfen Daten nur zu den Zwecken verwendet werden, zu denen sie erhoben worden sind. Gleiches gilt für die Verknüpfungen von Daten: Daten, die beispielsweise für Mautzwecke erhoben worden sind, dürfen nicht mit Daten aus der Verbrechensbekämpfung verknüpft werden.

In Teilen der Tagespresse und in Fachpublikationen erscheinen mittlerweile täglich Artikel zu Thema predictive policing. Aufgrund welcher Datenbasis die Entwickler von predictive policing Software ihre Voraussagen treffen, ist unterschiedlich. Generell scheinen Entwickler und Anwender jedoch der Meinung zu sein: viele Daten führen zu genaueren Vorhersagen. Genannt werden unter anderem:

  • Wetterdaten
  • Daten von ausländischen Prepaid SIM Cards
  • polizeiliche Falldaten der letzten sieben Jahre
  • Daten über Kundenverhalten im Distrikt (Kreditwürdigkeit, Schulden)
  • Sozialstruktur
  • Wohnorter bekannter, verurteilter Täter
  • Fahrzeugbewegungen aufgrund eigener „Maut“geräte

Es braucht nicht viel Phantasie oder Fachwissen um festzustellen, dass eine Überwachung der Bevölkerung mit den genannten Daten beziehungsweise eine Verknüpfung der Daten zu einer totalen Kontrolle der Bevölkerung führt.

Verknüpft der Staat die genannten Daten, ist folgender Satz richtig: predictive policing unterstützt Re-Anonymisierung und Personalisierung.

Aus den in der Presse als „statistische Daten“ bezeichneten Verknüpfung läßt sich jeder einzelne von uns personalisieren. Der wegeconBLOG hatte bereits in der Vergangenheit darüber berichtet, wie wenig Daten man benötigt, um eine einzelne Person zweifelsfrei festzustellen.

predictive policing erfordert umdenken. 

Obwohl predictive policing „vorbeugende Überwachung“ heißt, liegt die Kunst der Umsetzung der Idee des predictive policing darin, die Bevölkerung eben nicht zu überwachen. Ein Widerspruch? Nein, denn das geforderte Umdenken muss sich ebenfalls auf die Technik, die Mathematik, die angewandten algorithmischen Strategien beziehen. Der wegeconBLOG hat nachgewiesen, das nur sehr wenige Daten sind, um zukünftige Tatorte errechnen zu können. Die Einbeziehung der Koordinaten der Tatorte der letzten Wochen in kriminalpolizeiliche Analysen ist nicht nur unbedenklich sondern schon immer Tagesgeschäft der Ermittler.

Ergo gilt:

  1. kein datengetriebenes predictive policing
  2. keine demokratiegefährdende Überwachung
  3. keine Re-Anonymisierung, keine Personalisierung
  4. keine Stigmatisierung einzelner Gebietepredictive policing kann gelingen, sofern intelligenzgetriebene Analysesysteme große Datenmengen entbehrlich machen.Wie predictive policing funktionieren kann, lest ihr hier.